Is alte Lied
Gieh noch net fort. Kumm setz dich nieder. Kumm, hier hast de noch e Bier,
un breng de Ruh nei. Kumm, un sing dos alte Lied mit mir.
Mit dann enn Lied hots agefang. Su gerne denk ich heit zerick.
Mir habn gesunge un gespunne. Wos war dos domols fier e Glick.
Is hot net lang gedauert, do wollt jeder dos Lied härn.
Mir habn gelacht un habn gedacht, dos ka doch unner Glick net stärn.
Fast jede Woch sei mer in de Haamit nauf gefahrn,
un habn dort unner Lied gesunge, wie dr Tholer-Hans fier Gahrn.
Ach kumm, nu spiel när nochmol unner altes Lied.
Es is zum heiln, wie fix esu ne schiene Zeit vergieht.
Kaum hot das agefange. Nu härts schu wieder auf.
Es hot kenn Zwack. Du hältst dann Laaf dr Zeit doch eh net auf!
Doch Freid gebracht hot des fei net. Naa, ganz in Gegntaal.
Es hot uns ausgelaugt un laar gemacht un nooch ner Weil ...
soß jeder ganz allaa uff seiner eigne Ufenbank.
Vun Fraa un Kinnern längst verlossen un fier lauter Schulden krank.
E jedes Kind ward gruß. Un aamol muß'es ausm Haus.
Es hot kenn Zwack is aufzehalten, reißts dir aah dos Herz fast raus.
Drüm trink dei Bier aus. Pack dein Krampel. Un dann machst de endlich fort.
Ob mir uns jemols wiedersanne, waß dr Teifel oder ebber gar dr Neibert-Kurt.
Ach kumm, nu spiel när nochmal ...
Hochdeutsch übersetzt
Das alte Lied
Geh noch nicht fort. Komm, setz dich hernieder. Komm, hier hast du ein Bier,
und mache keine Unruhe. Komm und sing das alte Lied mit mir.
Mit diesem einen Lied hat es angefangen. So gerne denke ich heute zurück.
Wir haben gesungen und gesponnen. Was war das damals für ein Glück.
Es hat nicht lang gedauert, da wollte jeder das Lied hören.
Wir haben gelacht und haben gedacht, das kann unser Glück doch nicht stören.
Fast jede Woche sind wir in die Heimat gefahren
und haben unser Lied gesungen, wie der Thaler, Hans vor Jahren.
Ach komm, jetzt spiel nochmal unser altes Lied.
Es ist zum weinen, wie schnell doch die schöne Zeit vergeht.
Kaum hat es angefangen. Jetzt hört es schon wieder auf.
Es hat keinen Zweck. Du hältst den Lauf der Zeit doch sowieso nicht auf!
Freude hat es doch nicht gebracht. Nein, ganz im Gegenteil.
Es hat uns ausgelaugt und leer gemacht und nach einer Weile
saß jeder ganz allein zu Hause rum.
Von Frau und Kindern längst verlassen und vor Schulden krank.
Ein jedes Kind wird groß. Und mit einemal muß es aus dem Haus.
Es hat keinen Zweck es aufzuhalten, zerreißt es dir auch fast das Herz.
Drum trink dein Bier aus. Nimm deine Sachen. Und gehe endlich fort.
Ob wir uns jemals wiedersehen weiß der Teufel oder aber auch der Neubert, Kurt.
Ach komm, jetzt spiel nochmal ...
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